Sabine Hueck

Sabine Huecks kulinarische Weltreise beginnt als Kind deutscher Auswanderer in der brasilianischen Konditorei ihrer Großmutter. Von ihr hat sie gelernt, Rezepte aus der Heimat in die regionalen Gegebenheiten neuer Länder zu adaptieren und steht somit für eine authentische und vor allem ehrliche Fusionsküche. Mittlerweile gilt sie nicht nur als bunte Botschafterin der Berliner Kochszene, sondern ist auch in Sachen Schreiben, Gestalten und Interior Design gefragt. Die lebensfrohe Gastgeberin verwöhnt ihre Gäste mit multikulturellen Gerichten in ihrem Atelier Culinário in Berlin Schöneberg. Infos und Anfragen unter : contact@atelierculinario.de, www.sabinehueck.de, Atelier Culinário, Kyffhäuserstraße 21, 10781 Berlin

Dieses Gericht schmeckt und riecht nach Ihrer Kindheit Ananas-Hefe-Guglhupf von meiner Oma. Sie wohnte am Strand bei São Paulo….von ihr habe ich das Backen gelernt. Sie machte einfach den besten Kuchen. Da es in Brasilien keine typisch deutschen Zutaten gab, musste meine Oma einfallsreich und erfinderisch sein. Und das war sie! (lacht) So hat sie typisch deutsche Brote z.B. mit Maismehl gebacken oder Früchte getrocknet, um sie für einen klassischen Rhabarberkuchen wie Rhabarber aussehen zu lassen. Das ist für mich echte Fusionsküche!

Kuchenbacken: dann lieber brasilianisch oder typisch deutsch? Gerne typisch deutsch-österreichisch. …Ich liebe die Wiener und Österreichische Küche, vor allem die Bäckerei. Bei meinem Praktikum in Wien habe ich viele traditionelle Rezepte kennengelernt. Als ich diese mit meinem brasilianischen Backwissen gemischt habe, fanden das die Österreicher erst mal unmöglich (lacht)… später fanden sie es aber dann ganz gut, glaube ich.

Sie haben schon in viele Kochtöpfe auf der Welt geblickt - welcher „Topf“ hat Sie am meisten fasziniert? Thailändische und peruanische Kochtöpfe sind für mich immer einen Blick wert. Die Thailändische Küche fasziniert mich, weil sie so wenige Ein›lüsse von außen erlebt hat und deshalb so authentisch geblieben ist. Das Gegenteil dazu bildet die peruanische Küche, die bunt und ein›lussreich daherkommt.

Welche Menschen begleiteten Sie bis heute auf Ihrer kulinarischen Reise und haben Sie bis heute geprägt? Alle Migranten, die mit ihrer Küche und ihren Geschmäckern in der Fremde zurechtkommen müssen und die Fusionsküche erfunden haben … und auch heute noch erfinden. Mein Kochkurs „Essen im Gepäck“ ist der bestgebuchte Kurs im Atelier. Dies zeigt, dass die Gewürze und Gerichte, die man aus den fernen Ländern mitbringt, an Emotionen gebunden sind. Authentische Küche ist für mich also eine Küche mit Emotionen. Die besten „neuen“ Fusionsrezepte entstehen oft aus Not, Leid oder Tränen. Wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen und dann mit neuen Gegebenheiten und regionalen Besonderheiten zurechtkommen müssen, um ein bisschen Heimat auf dem Teller zu haben. Wie bei meiner Oma. Das ist für mich authentische Küche. Rezepte müssen sich also durch Generationen entwickeln und verändern und nicht frei erfunden werden.

Fusionsküche zeigt für mich ... Globalisierung, also das, was momentan und schon immer auf der Welt passiert ist. Es wird nichts erfunden, sondern von Generationen durch Freud und Leid entwickelt. Vor allem die Nikkei-Küche (Japanisch-Peruanisch), mit der ich mich in meinem 2-jährigen Aufenthalt in Lima intensiv auseinandergesetzt habe, hat mich sehr beeindruckt. Der Koch Nobuyuki Matsuhisa, von dem ich alle Bücher besitze (lacht), gilt als weltweiter Vorreiter der Nikkei-Küche, welche mittlerweile als

„neue Küche“ anerkannt ist. Dies zeigt mir, dass Fusionsküche der Spiegel unserer heutigen Gesellscha›t ist.

Entscheiden Sie: Süß oder salzig? Essen lieber salzig. Kochen lieber süß. (lacht) Lieber scharf oder mild? Auf jeden Fall scharf.

Backen oder Kochen? Ich liebe beides gleichermaßen. Trotzdem ist meine Leidenschaft das Süße. Ich hatte in Brasilien eine Konditorei auf einer Insel. Genau wie meine Oma. Als ich nach Deutschland zurückkehrte, hat die Bürokratie leider meinem süßen Schaffen ein Ende gesetzt, weil ich keinen Meisterbrief hatte. So habe ich mich mehr dem Kochen zugewendet. Aber auch das nennt man wohl Fusion - so habe ich das vereint, was ich liebe: Kochen und Backen.

Welches Essen berührt Ihre Seele? Heiße, knusprig gebackene Teigtaschen gefüllt mit tomatisiertem Palmherzragout (Pastel de palmito). Und welches Essen berührt Ihren Gaumen? Ein Ceviche im Callao Fischmarkt in Lima ist sensationell frisch, saftig, aromatisch, scharf und vitalisierend.

Was ist Ihr persönliches Super Food? Zur Zeit mein selbstgemachtes Quinoa-Leinsamen-Knäckebrot.

Hektik in der Küche: Ruhe und Kraft schöpfe ich…durch eine gute Organisation und mis en place. Das ist die beste Grundlage für ein geordnetes Chaos.

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Fröhliches Treiben, Ausgelassenheit, Menschen jeder Facon. All das findet man im Atelier Culinário in Berlin. Weniger ein typisches Atelier…. vielmehr eine kunterbunte Wohnküche, die man nie mehr verlassen möchte. Ein Ort zum Wohlfühlen. Den Mittelpunkt dieses Treibens bildet die in Brasilien aufgewachsene Sabine Hueck, die mit ihrer ehrlichen und emotionalen Fusionsküche in ihrem Atelier verzaubert, begeistert und berührt. Das wissen mittlerweile nicht nur ihre Gäste zu schätzen, sondern immer mehr Spitzenköche, die im Atelier Culinário Events veranstalten.

Warum ein Atelier und kein Restaurant? Eine Küche ist für mich eine kulinarische Werkstatt. Hier wird nicht nur gekocht, sondern hier entsteht Neues, Menschen begegnen sich, hier passiert etwas. Es ist also mehr als ein Restaurant. Deshalb war für mich ein Atelier viel passender!

Wie wichtig ist Ihnen eine gemütliche und einladende Umgebung beim Kochen? Genauso wichtig wie frische Zutaten. Es geht um das große Ganze, das Kreieren von einem Erlebnis, das Emotionen hervorruft.

Dürfen Ihre Gäste in Ihrem Atelier die Schuhe ausziehen? Kommt auf den Dresscode des Abends an. (lacht)

Interior Design? Wie passt das für Sie mit Kochen zusammen? In einer Küche, in der gekocht, kreiert und gegessen wird, spielen die Ausstattung, Einrichtung und vor allem das Geschirr natürlich eine wichtige Rolle. Für mich ist alles, wodurch man Lebensfreude ausdrücken kann, sehr wichtig!

Kreativität ist in Ihrem vielseitigen Schaffen unverzichtbar. Wo finden Sie heute Inspirationen für Ihre spannenden (Koch-)kreationen? Durch tolle Begegnungen und Gespräche auf den Kiez-Märkten aller Welt.

Fisch auf Dachschindeln grillen. Woher kam dann diese Idee? In Tonformen zu kochen ist eine uralte Garmethode. Besonders schön finde ich, elegantes Rosenthal Geschirr mit rustikalen Dachschindeln zu kombinieren. Sowas überrascht und beeindruckt natürlich die Gäste!

Sehen Sie sich somit eher als Handwerkerin oder Künstlerin? Kunst kommt von Können – Vor allem beim Kochen, das habe ich in Deutschland gelernt.

Was hat Sie dazu bewogen, beim Imagefilm für das Porzellan Junto mitzuwirken? Rosenthal-Geschirr war schon für meine Großmütter eine Kostbarkeit. Andere Kinder sammelten Spielzeug, ich sammelte Geschirr. „Junto“ heißt „zusammen“ und vereint zwei verschiedene Materialien

– feines Porzellan und Keramik. Es begeistert mich, wenn Verschiedenes sich harmonisch zusammenfügt. Das ist auch das Konzept des Atelier Culinário.

Wie sieht für Sie ein perfekter Kochabend aus? An einem perfekten Kochabend bringt das GUTE Essen die Menschen zusammen. Gäste, die sich vorher nicht kannten, gehen als Freunde. Kochstil, Atmosphäre, selbst Geschirr und Dekoration müssen zusammenpassen. Wenn Gäste am Ende des Abends dann noch sagen, wie sehr es ihnen gefallen hat, ist er für mich erst richtig gelungen!

Sie bringen viele unterschiedliche Menschen an einen Tisch. Was ist Ihr Geheimrezept? Ich liebe es einfach Gastgeberin zu sein und Menschen zusammenzubringen. Ich denke, das merken meine Gäste einfach.

Kochen in meinem Atelier ist für mich … Beruf, Leidenschaft, Weltoffenheit, Kreativität und Inspiration für Neues.

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"An einem perfekten Kochabend, brigt das Essen die Menschen zusammen."

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