Ein Geschenk zum 125. Geburtstag

     

„Ein Museum im Aufbau, und man kann es wirklich auf diese Weise ausdrücken - auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt". So sehr zeigte sich der Wunsiedler Landrat Dr. Pater Seißer vom Baufortschritt im Europäischen Industriemuseum in Selb-Plößberg beeindruckt, dass er bei der Feierstunde zur offiziellen Eröffnung des Rosenthalmuseums am 20.9.2004 den Wortlaut der ehemaligen DDR-Nationalhymne bemühte. Proppenvoll war das neugeschaffene Auditorium in der ehemaligen Brandruine einer der ältesten Porzellanfabriken Oberfrankens, 1866 von Jacob Zeidler gegründet, 1917 von Philipp Rosenthal erworben und 1969 stillgelegt. Das 125jährige Bestehen der Rosenthal AG hatte man zum Anlass genommen, das auf 600 Quadratmeter im ehemaligen Brennhaus auf zwei Stockwerken realisierte Rosenthalmuseum einzuweihen. Zahlreiche Polit-, Kultur- und Wirtschaftprominenz, auch aus aller Welt, hatte sich eingefunden, um diesen Tag gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Rosenthal AG, Ottmar C. Küsel und dem Museumsdirektor des Europäischen Industriemuseums, Dr. Wilhelm Siemen, zu begehen.

Das ursprünglich 1889 erbaute Brennhaus fiel 1982 einem regelrechten Flammeninferno zum Opfer und brannte bis auf die Außenmauern nieder. Der Wiederaufbau des Gebäudes folgte der Idee eines offenen Raumkonzeptes. Von den drei hintereinander im Gebäude stehenden Rundöfen konnte der vordere komplett saniert werden und ist jetzt mit seiner freistehenden Lage im Raum für den Besucher erlebbar. „Rosenthal ist zurück in seiner Fabrik, es ist wirklich einzigartig", freute sich den auch Wilhelm Siemen bei seiner Festansprache, und Ottmar C. Küsel zeigte sich begeistert über den Baufortschritt an sich: „Es ist unglaublich, was aus diesem alten Ding geworden ist, das beste Geburtstagsgeschenk, was wir uns machen konnten." Denn im strahlenden Weiß präsentiert sich das bis vor wenigen Monaten noch äußerst unansehnliche dreckigbraune Gebäude nun, feinfühlig und mit viel Stilbewusstsein umgebaut und restauriert.

Zur Ausstellung selbst: Anhand einzelner Themeninseln wird in die Geschichte des 1879 von Geheimrat Philipp Rosenthal als Porzellanmalerei im Schloss Erkersreuth gegründeten Unternehmens Einblick gewährt und die Vielfalt der hochwertigen Produkte dokumentiert. Dabei wird der Bogen gespannt von der Ära Geheimrat Philipp Rosenthal, der den Grundstein für die AG legte und als erster Privatunternehmer seinen Namenszug unter jedes Produkt setzte, über seinen Sohn Philip Rosenthal, der 1950 als Werbeleiter in die Firma eintrat und 40 Jahre lang das Unternehmen entscheidend geprägt und zu einer der fortschrittlichsten Porzellanfirmen in der Welt gemacht hat.
Heute ist Rosenthal einer der führenden Hersteller im Bereich Tischkultur und Interiors, vor allem in den Bereichen zeitgenössisches Design und Kunst. Von den drei hintereinander im Gebäude stehenden Rundöfen konnte der vordere komplett saniert werden und ist jetzt mit seiner freistehenden Lage im Raum für den Besucher erlebbar.


Hendrik Ertl in "Fichtelgebirge erleben", Heft 2/2004